Pflege, Betreuung, Entlastung – was brauchen Familien wirklich?
### Soziale Hilfe sichern, wo sie gebraucht wird – jetzt mitreden
Gesamthaft befinden sich die Bundes-, Landes- und Gemeindehaushalte auf Grund der Krisenjahre (Teuerung, Krieg in der Ukraine, Corona Pandemie) in einer sehr angespannten finanziellen Situation. Rund ein Drittel des Landeshaushalts fließt in die Bereiche Gesundheit und Soziales, auch diese Ressorts sind daher betroffen.
Der Vorarlberger Sozialfonds ist ein Solidartopf des Landes Vorarlberg (60%) und der Vorarlberger Gemeinden (40%). Er beinhaltet Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe, Sozialhilfe, Pflege und Betreuung sowie Chancengleichheit, dies umfasst die Bereiche Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie und Sucht. Seit 2019 weist der Voranschlag für den Sozialfonds ein Plus von 30 % auf, der Finanzierungsbedarf (Ausgaben minus Einnahmen) stieg von rd. 267 auf rd. 370 Millionen Euro. Dies bringt sowohl viele Gemeinden als auch das Land in eine sehr herausfordernde Situation, da den hohen Ausgabensteigerungen gleichzeitig Rückgänge bei den Einnahmen gegenüberstehen. Es braucht daher Maßnahmen, um den Sozialfonds auf dem aktuellen hohen Ausgabenniveau von rund 520 Millionen Euro zu stabilisieren und einer weiteren ungebremsten Steigerung entgegenzuwirken.
Neben ersten Sofortmaßnahmen in mehreren Fachbereichen geht es uns aber um eine zukunftsfitte Neuorganisation des Sozialfonds. Denn neben den finanziellen Ressourcen haben wir auch einen Fachkräftemangel zu bewältigen und alleine durch die demographischen Entwicklungen einen Anstieg von Personen, die Unterstützung vor allem in den Bereichen Pflege und Betreuung benötigen. Zwischenzeitlich wurde daher gemeinsam mit dem Vorarlberger Gemeindeverband ein umfassender Strukturprozess gestartet. Dabei werden alle Leistungen analysiert und geklärt, welche Wirkungsziele im Sozialfonds künftig priorisiert werden sollen, welche Bereiche wir an Dritte übergeben könnten bzw. zu klären, wo es Doppelgleisigkeiten gibt und wir Synergien besser nutzen können. Ziel ist, den sozialen Nahraum und neben dem professionellen System auch das formelle und informelle Engagement auf vielen Ebenen wieder zu stärken.
Die Anpassungen im Sozialbereich erfolgen mit dem Ziel, die vorhandenen Mittel im Sinne der Steuerzahlenden bestmöglich und effizient einzusetzen. Dadurch soll auch in Zukunft eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Unterstützung in Vorarlberg sichergestellt werden.
Die letzten Wochen haben verständlicherweise bei vielen Betroffenen Besorgnis und auch Verunsicherung ausgelöst. Die Auswirkungen auf einzelne Leistungen, die für betroffene Menschen und ihre Familien von zentraler Bedeutung sind, nehmen wir sehr ernst.
Dabei war es nicht unsere Intention, dass notwendige Anpassungen in der Finanzierung nur über Leistungskürzungen abgefedert werden. Gemeinsam mit den Trägerorganisationen haben wir nach Wegen gesucht, wie ein Teil der steigenden Kosten durch interne Umschichtungen oder Rücklagen aufgefangen werden kann – ohne spürbare Einschränkungen für Familien. Leider ist dies in einigen Fällen nicht gelungen.
Im Zuge der vielen Gespräche haben wir erfahren, dass auch Maßnahmen der Familienentlastung, die von den Einschränkungen gar nicht betroffen waren, in der Praxis trotzdem nicht bei den Familien ankommen, was die Situation zusätzlich erschwert. Familienentlastungs-Gutscheine sind zwar vorhanden, können aber auch aufgrund Personalmangels bei Trägern oft gar nicht eingelöst werden. Wir wissen: Wenn Unterstützungsleistungen im Alltag plötzlich fehlen oder schwerer zugänglich sind, bedeutet das für viele Familien eine große Belastung – emotional, organisatorisch und finanziell. Dafür haben wir großes Verständnis.
Wir werden daher kurzfristig Maßnahmen setzen, um gezielt jene Bereiche zu stärken, die Entlastung bringen – etwa durch eine Verbesserung und Öffnung der bestehenden Familienentlastungsmodelle. Unser Ziel ist es, mehr Möglichkeiten im sozialen Nahraum zu schaffen. Zudem prüfen wir, wie persönliche Budgets und flexiblere Modelle dazu beitragen können, dass die Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Gerade deshalb möchten wir auf diesem Wege offen auf Sie zuzugehen und mit Ihnen zusätzlich zu vielen persönlichen Einzelgesprächen direkt im Austausch bleiben. Um das System wirklich im Sinne der betroffenen Menschen weiterzuentwickeln, ist Ihr Feedback für uns von großem Wert. Bitte teilen Sie uns mit, wo das bestehende System aktuell nicht funktioniert, welchen Hürden Sie täglich begegnen und was Sie konkret benötigen, um Ihren Alltag flexibler gestalten zu können.
Wir möchten aufbauend auf all Ihren Rückmeldungen und grundsätzlich bei der Neuorganisation des Sozialfonds den sozialen Nahraum stärken. Künftig – aber zeitnah – sollen die Familienentlastungsmaßnahmen ausgebaut und ergänzend zum professionellen Hilfesystem im sozialen Nahraum flexibilisiert werden. Familien soll ermöglicht werden, Betreuungssituationen auch vor Ort organisieren und finanzieren zu können, mit Nachbarn, Vereinen, Verwandten etc.
Für uns steht fest: In einem sozialen und verantwortungsvollen Land wie Vorarlberg muss Hilfe da sein – gerade dann, wenn man sie am dringendsten braucht. Wir werden alles daransetzen, dieses Versprechen auch in herausfordernden Zeiten einzuhalten.
Abgeschlossen
Das sind die Erkenntnisse und Entscheidungen
Auf Basis Ihrer Beiträge in der Online-Beteiligung haben sich verschiedene Erkenntnisse sowie Entscheidungen ergeben.